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Wochenspiegel Zell: Anwalt legt Pornoseiten lahm

Zell, 12.12.2018 - Der Fall von illegal hochgeladenen Fotos auf einer Pornoseite sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff in der Moselstadt Zell. Nachdem die Polizei den mutmaßlichen Täter ermittelt hat, kümmern sich die Anwälte darum, dass die Fotos von den „Schmuddelseiten“ verschwinden. Einer davon ist Dr. Björn Müller aus Zell.

Zahlreiche Akten hat Dr. Björn Müller von der Anwaltskanzlei „Wohlleben und Partner“ bereits zu dem Fall angelegt und es werden täglich mehr. Verärgert oder verängstigt kommen die Frauen in seine Kanzlei in Zell. Sie alle teilen das gleiche Schicksal. Mit ihren Fotos, die sie nichtsahnend in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram gestellt hatten, betrieb jemand erheblich Schindluder.

Ohne Wissen der Frauen, teilweise sogar Mädchen, stellte er die Fotos auf einschlägige Pornoseiten. Dort waren die Fotos mit anrüchigen Kommentaren versehen. Auch erstelle er ganze „Galerien“, etwa unter dem Namen „Dirndlschlampen“. Die freizügigen Kommentare ließen den unbedarften Nutzer der Seite in dem Glauben, dass die Damen auf freizügige, sexuelle Abenteuer aus seien.

Nach Recherchen des Wochenspiegel kommen die Geschädigten fast ausschließlich aus dem Kreis Cochem-Zell und hier insbesondere aus der Verbandsgemeinde Zell. Dies könnte an dem Umstand liegen, dass der mutmaßliche Täter, ein 28-Jähriger aus einer Moselgemeinde, ebenfalls in der Verbandsgemeinde lebt und Fotos von ihm bekannten Frauen auf deren Facebookseiten kopierte und sie auf der „Schmuddelseite“ einstellte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Koblenz ordnete die zuständige Ermittlungsrichterin eine Durchsuchung der Wohnung des Mannes an. Hier wurden internetfähige Geräte als Beweismittel sichergestellt. Der Verdächtige hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, wie es in einer Pressemitteilung der Kripo in Wittlich heißt.

Rund 100 Frauen haben sich bislang bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet. Die strafrechtliche Verfolgung ist die eine Sache, die Fotos von den anrüchigen Seiten zu bekommen, die andere. Dies ist meist für die betroffenen Frauen, wie Rechtsanwalt Dr. Müller betont, noch viel wichtiger. Doch das ist nicht so einfach, denn der Webseitenbetreiber der Pornoseiten sitzt im fernen Zypern.

Frauen, die sich selbst bei dem Webseitenbetreiber mit der Forderung die Bilder zu löschen, gemeldet haben, erhielten keine Rückmeldung. Anwalt Dr. Björn Müller hat vergangene Woche mit entsprechendem Druck die Betreiber zum Einlenken gezwungen. „Die Fotos meiner Mandantinnen sind gelöscht worden“, so Müller.

Nun will der Zeller Jurist auch zivilrechtlich gegen den mutmaßlichen Täter vorgehen. „Wir werden entsprechende Unterlassungserklärungen vorbereiten. Sobald feststeht, wer für das Einstellen der Fotos verantwortlich ist, werden wir ihn auffordern, eine solche Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.“

Der Seitenbetreiber hat die IP-Adresse desjenigen, der die Bilder einstellt, übrigens gesichert. Dr. Björn Müller: „Mir wurde sie zwar nicht mitgeteilt, aber zugesichert, dass wenn eine staatliche Ermittlungsbehörde danach fragen wird, diese auch die Daten erhält." In dieser Woche möchte Dr. Müller eine Infoveranstaltung für die zahlreichen betroffenen Frauen anbieten und dort über weitere Maßnahmen sprechen. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen wird“, so Dr. Müller.

Quelle: Wochenspiegel Zell vom 12.12.2018

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