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Massentierhaltung macht das Wasser teuer

Bereits im Juni 2018 hatte der EuGH Deutschland nach einer Klage der EU-Kommission verurteilt: Es muss verstärkt gegen die Nitratbelastung im Grundwasser vorgegangen werden.

Deutschland kommt indes nicht hinterher, sodass erneut ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet wurde und Strafzahlungen im hohen sechsstelligen Bereich pro Tag drohen.

Nach Ansicht von Prof. Dr. Michael Reinhard (Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches Wasserwirtschaftsrecht der Universität Trier) erscheint dieses Verfahren "im Ergebnis als jedenfalls nicht von vornherein aussichtslos".

Nach dem aktuellen Nitratbericht wird der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/l an mindestens 18% der Grundwassermessstellen überschritten. Zugleich kommt jedoch der größte Teil unseres Trinkwassers aus dem Grundwasser.

Nitrat ist eine Verbindung, die natürlicherweise im Boden vorkommt und außerdem in Düngemitteln für Obst-und Gemüseanbau und in Gülle zu finden ist.

Insbesondere die Massentierhaltung führt dazu, dass immer mehr Gülle produziert und ausgebracht wird, als der Boden verkraften kann. Der nicht durch Pflanzen verbrauchte und nicht im Boden abgebaute Anteil gelangt als Nitrat ins Grundwasser.

Durch pflanzliche Lebensmittel oder Trinkwasser wird Nitrat aufgenommen und im menschlichen Körper in Nitrit umgewandelt. Durch Nitrit wird die Sauerstoffaufnahme und der Sauerstofftransport des Blutes behindert, wodurch es zu Gesundheitsgefährdungen kommen kann.

Um Schädigungen zu verhindern, gilt in Deutschland nach der Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 50 mg Nitrat je Liter.

Um diesen Grenzwert einzuhalten, mischen die Wasserversorger belastetes Wasser mit Wasser aus anderen weniger nitrathaltigen Quellen. Mit steigender Nitratbelastung wird jedoch eine kostenintensive technische Wasseraufbereitung unumgänglich, die den Wasserpreis steigen lässt.

Hinzu kommt, dass der genannte Grenzwert nicht gänzlich unumstritten ist. Zum effektiven Gesundheitsschutz wird bisweilen ein strengerer Nitratsgrenzwert gefordert.

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